Dez 292020
 

WONDER WOMAN gilt gemeinhin als der beste Film des DCEU. Zu Recht, denn der erste Film bietet Unterhaltung auf hohem Niveau. Entsprechend gespannt war man auf das Sequel, das von Warner pandemiebedingt mehrmals verschoben wurde und in den USA zeitgleich im Kino und auf dem hauseigenen Streaming-Dienst HBOMax gestartet ist. Aber hat das lange Warten gelohnt, konnten Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot den Blitz ein zweites Mal einfangen?

Die Geschichte spielt im Jahr 1984 – ohne besonderen Grund, weil die Ära keine wirkliche Bedeutung für die Geschichte hat, ist der Kalter-Krieg-Aspekt doch so nebensächlich gestreut, dass man ihn auch problemlos anderweitig hätte ersetzen können. Diana Prince geht ihrer Arbeit nach und stolpert über ein Artefakt, das Wünsche erfüllen kann. Dem verdankt sie die Rückkehr des toten Steve Trevor. Maxwell Lord, ein selbsterklärter Topp-Geschäftsmann, bringt das Artefakt an sich, wünscht sich, zu ihm zu werden und hat nun die Kraft, Wünsche zu erfüllen – doch das kommt immer mit einem Preis. Er bekommt, was er will. Damit stürzt Lord die Welt ins Chaos, während Wonder Woman eine harte Entscheidung treffen muss.

Die Geschichte möchte größer als die des Erstlings sein und den damals nicht enden wollenden Krieg durch einen nuklearen ersetzen. Aber hier verkommt das zur Nebensächlichkeit, während der Film reichlich holprig mäandert.

Er läuft nur zehn Minuten länger als der Erstling, ist mit seinen 151 Minuten aber überlang – und manchmal langweilig. Der Anfang auf der Paradiesinsel ist traumhaft schön gemacht, dynamisch, actionreich, wunderbar anzusehen, aber eine einzige Redundanz. Diese Sequenz bietet nichts, was das Original nicht schon etabliert hätte. Danach folgt ein erster Auftritt von Wonder Woman im Kostüm, die aber Kameras kaputtmachen und Leuten zu verstehen geben muss, dass das ein Geheimnis bleiben muss. Warum? Weil man in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE erfährt, dass Batman nur ein Foto von Wonder Woman finden konnte – aus dem Jahr 1918. Aber ist es wirklich glaubhaft, dass niemand eine Polaroidkamera dabeihatte, dass niemand irgendwas gefilmt hat? Sicher, das waren nicht die Zeiten, in denen die Leute Handykameras hatten, aber Fotos gab es auch damals schon. Auch das ist ein Grund, warum man sich fragt, wieso der Film in den 1980er Jahren spielen muss. Das führt zu einer Kontinuitätsdiskrepanz, die man auch hätte vermeiden können.

Konsistent ist der Film auch in anderer Hinsicht nicht: Wonder Womans Powerlevel. Im ersten Teil hebt sie gepanzerte Fahrzeuge hoch und wirft sie weg, springt in Kirchentürme und zerschmettert sie. Im Sequel ist sie zwischen zwei fahrenden Panzerfahrzeugen eingeklemmt und hat ernste Schwierigkeiten, sie wegzudrücken, um nicht zerquetscht zu werden. Tatsächlich braucht sie sogar Hilfe.

Kristen Wiig ist als unscheinbares Entchen, das zu Kräften und Sexappeal kommt und nichts davon wieder aufgeben will, ein wandelndes Klischee – und als Schurkin eigentlich völlig überflüssig. Punkten kann der Film mit Pedro Pascal als Maxwell Lord, der als Satire auf Donald Trump angelegt ist. Tatsächlich hat Pascal ein paar der besten Szenen im Film, während Gal Gadot häufig recht tatenlos herumsteht. Auch in Action sieht sie diesmal nicht so gut aus. Generell ist die Action deutlich schwächer ausgeprägt, fahriger, weniger direkt, überzogener – kurz: weniger mitreißend. Im Original waren die Kampfszenen mit Wonder Woman noch eine direkte Fortführung dessen, was man in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE gesehen hat, hier strampelt man sich frei, aber praktisch in die Bedeutungslosigkeit. Auch irritierend: Nach der Mini-Kampfsequenz am Anfang dauert es bis zur 81. Minute, bis Wonder Woman wieder im Kostüm zu sehen ist.

Der Film ist mit zweieinhalb Stunden Laufzeit einfach zu lang. Man hätte problemlos 30 bis 40 Minuten herauskürzen und einen weit stärkeren Film haben können. Weniger wäre in diesem Fall tatsächlich mehr gewesen.

Während des Nachspanns gibt es noch eine Überraschungssequenz, die sich vor allem vor der WONDER WOMAN-Serie aus den 1970er Jahren verbeugt, aber ansonsten nicht wirklich faszinierend ist.

  One Response to “Kritik: WONDER WOMAN 1984”

  1. Wo gesehen? Offiziell ist der Film in DE nicht zu sehen.

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