Okt 052020
 

In letzter Zeit sind querbeet durch alle Verlage wieder hochinteressante Projekte erschienen, die anspruchsvoller geraten sind. Hier eine kleine Einordnung.

AUF DER SUCHE NACH MOBY DICK (28,– Euro) ist mehr als nur eine weitere Adaption von Herman Melvilles Roman. Den Auftakt begeht ein Journalist, der mit einem Melville-Experten in die Tiefen dieses Romans eintaucht, die zu einer vielleicht weit philosophischeren Betrachtungsweise führen. Das ist ein faszinierender, tatsächlich neuer Ansatz. Die Künstler arbeiteten acht Jahre an dieser auch graphisch eindrucksvollen Geschichte.

VERBRECHEN UND STRAFE (28,– Euro) ist die Adaption von Fjodor Dostojewskis Roman als Graphic Novel. Es geht um einen Studenten, der eine Pfandleiherin ermorden will und von seinem Gewissen geplagt der Paranoia anheimfällt. Die Übertragung ins graphische Medium ist geglückt, die Geschichte eindringlich und stark in ihrer Darstellung der Düsternis der menschlichen Existenz.

DREIMAL SPUCKEN (34,– Euro) von Davide Reviati ist eine knapp 600 Seiten starke Geschichte, in der einige Freunde in der italienischen Provinz der 1960er Jahre gelangweilt sind. Als eine Roma-Familie in der Nähe einzieht, fühlen die Jungs sich von der Tochter angezogen und abgeschreckt. Reviati erzählt in Schwarzweiß, aber mit immenser poetischer Kraft vom Erwachsenwerden, von der Korrelation von Gewalt und Verletzlichkeit, vom Leben, das erdrückend sein kann. Eine große Geschichte.

XES (25,– Euro) ist irgendwie autobiographisch, aber auch fiktiv, wenn Florian Winter von einem jungen Mann erzählt, der auf der Suche nach der sexuellen Befriedigung ist und in seinem Pornokonsum Suchtverhalten entdeckt. Aber da wieder herauszukommen, ist gar nicht so leicht. Der Zeichenstil ist gewöhnungsbedürftig, die Geschichte aber interessant, weil Winter auch dorthin geht, wo es wehtut.

IM SELBEN BOOT (22,80 Euro) ist die autobiographische Geschichte einer Ruderin, die nach der Wende gegen die anderen deutschen Ruderinnen antreten muss, um einen Platz in der Nationalmannschaft zu ergattern. Es ist eine unscheinbare, aber sympathische Geschichte, die mit quirligem Strich erzählt ist.

DIE RATTEN IM MÄUSEBERG (16,80 Euro) ist der neueste Krimi mit Nestor Burma, der anders als die Polizei nicht denkt, dass eine Diebesbande namens „Die Ratten“ für die aktuellen Beutezüge im 14. Arrondissement verantwortlich ist. Wie immer komplex und vielschichtig erzählt, wobei die Figuren so gestaltet sind, wie Tardi sie einst zeichnete. Im Anhang gibt es noch eine Übersicht der Handlungsorte mit Fotomaterial.

In EN GARDE! (29,80 Euro) geht es um drei Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden und sich bei einem Kurs für therapeutisches Fechten einschreiben. Mit Wasserfarben koloriert, aber einfachem Bleistiftstrich, ist diese Graphic Novel optisch interessant, lebt aber vor allem von der Geschichte, die ein Plädoyer dafür ist, sich niemals der eigenen Scham für etwas, an dem man keine Schuld trägt, zu beugen.

NILS (22,– Euro) ist eine imposante Graphic Novel, in der die Künstlerin den Tod ihres Sohnes verarbeitet. Melanie Garanin erzählt von der Verzweiflung und der Wut, aber auch von den schönen Erinnerungen und dem Humor. Sie hat ein Buch erschaffen, das Trost spenden und Mut machen kann.

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