Jul 092020
 

Es ging verdammt schnell. Greg Ruckas Comic THE OLD GUARD erschien im Jahr 2017, nur drei Jahre später gibt es den großen Film, der von Netflix produziert wurde. Rucka durfte das Drehbuch selbst schreiben. Entsprechend nahe an der Vorlage bleibt der Film.

Er erzählt von vier unsterblichen Kriegern, angeführt von Andy, die seit Gott weiß wie vielen Jahren lebt und älter als alle anderen ist. Über die Jahrhunderte haben sie sich den Kämpfen und Kriegen verschrieben, die sie für gut halten. Jetzt stößt mit der US-Marine Nile eine neue Unsterbliche zu ihnen – just in dem Moment, da der CEO einer Pharmafirma auf sie Jagd machen lässt, um herauszufinden, was ihre Unsterblichkeit ausmacht.

Der Film bietet reichlich Action, die erfreulicherweise auf CGI verzichtet und stattdessen realistisch anmutet – auch wenn Andy und ihre Truppe die Gegner mit Leichtigkeit aus dem Weg räumen, egal, wie viele es sind. Ob mit Knarren oder Schwertern, die Old Guard ist nicht unterzukriegen. Das könnte sie als Heldenfiguren langweilig machen, denn ein Held, der nicht sterben kann, ist natürlich nur bedingt spannend. Aber Rucka hat einen Kniff gefunden. Diese Unsterblichen sind nicht wirklich unsterblich. Irgendwann ist für jeden die Zeit gekommen, sie wissen nur nicht, wann es soweit ist. Aber eines Tages schließen sich auch bei ihnen die Wunden nicht mehr und der Verfall beginnt.

Die grundsätzliche Idee des Films, aber auch des zugrundeliegenden Comics ist natürlich nicht neu. Sie im Grunde stark von HIGHLANDER inspiriert, zumal es Rucka auch versteht, das Zweischneidige am unsterblichen Leben herauszuarbeiten. Immer leben, immer allein sein, niemals mit jemandem alt werden – das ist die Crux der Unsterblichkeit. Damit einher geht eine Melancholie, die vor allem Charlize Theron wunderbar ausstrahlt, aber auch Matthias Schoenaerts sieht man den Schmerz der Ewigkeit an.

Die Geschichte ist klar gestaltet, auch und besonders, was die Staffelstabübergabe an eine jüngere Unsterbliche betrifft. Rucka versteht es aber auch, die Geschichte aufzuladen. Er baut schon jetzt Material ein, auf das man für das Sequel zurückgreifen kann. Zudem erscheint im September auch das amerikanische Tradepaperback mit der zweiten Miniserie, die bei Splitter sicherlich auch nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.

THE OLD GUARD ist im Kern auch ein Superheldenfilm – ohne die Kostüme, ohne die großen Gesten, aber mit dem entsprechenden Herz. „Sie rettet ein Leben und zwei, drei Generationen später ernten wir die Früchte“, erklärt Copley in einer Szene, vor einer Wand stehend, in der er so gut es geht, rekonstruiert hat, wen Andy im Lauf der Jahrzehnte gerettet hat, und was diese Geretteten oder deren Nachkommen der Welt gegeben haben. Vielleicht ist das der Grund für die Unsterblichkeit der Wenigen – eine interessante Idee, die auch Stoff für die weitere Erkundung bietet.

Alles in allem ein guter Film, reich an Action, mit ein bisschen Humor, mit Gefühl, vor allem aber auch mit einer Melancholie, die man gerade in diesem Genre selten sieht.

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