Jun 062020
 

Radical Studios war in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre angetreten, um multimedial Stoffe zu entwickeln. Ein günstiger Weg, eigene Stoffe zu lancieren, waren die Comics. Einige wurden produziert, manche fanden auch den Weg zur filmischen Umsetzung, so etwa Brett Ratners HERCULES oder OBLIVION, der nach einem unveröffentlichten Comic entstanden ist. Rick Remenders THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME war schon 2009 optioniert worden. Damals wollte noch Sam Worthington die Hauptrolle spielen. Ein paar Jahre später hatte er das Projekt jedoch verlassen und es dauerte weitere Jahre, bis es 2020 für Netflix Realität wurde. Zu dem Zeitpunkt waren die Comic-Bestrebungen von Radical längst passé. Im Jahr 2012 war das letzte Heft erschienen und die letzte Miniserie nicht mal abgeschlossen worden.

THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME wurde von Rick Remender geschrieben und von Greg Tocchini gezeichnet. Hierzulande erschien der Comic schon vor Jahren bei Splitter und war dort eines der ersten Splitter Books im kleineren Format.

Die filmische Umsetzung übernahm der Franzose Olivier Megaton (COLOMBIANA), während das Skript von Karl Gajdusek (OBLIVION) verfasst wurde. Erzählt wird von einem Amerika der Zukunft, in der die API – die American Peace Initiative – in einer Woche greift. Das ist ein Signal, das im ganzen Land ausgesandt wird und das Gehirn so manipuliert, dass niemand mehr gegen das Gesetz verstoßen kann. Für ein paar Gauner ist das der Startschuss für den großen Coup, da sie Millionen absahnen und sich dann nach Kanada absetzen wollen.

So interessant es ist, wenn Comics abseits von Marvel und DC verfilmt werden, so enttäuschend ist das Ergebnis bei THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME, denn dieser zweieinhalb Stunden (!) lange Krimi ist ausgesprochen langatmig erzählt. Er weitet eine Geschichte auf epische Laufzeit aus, die man auch knackig in gut 90 Minuten hätte erzählen können. Entsprechend dauert es schon, bis die Handlung wirklich mal in Gang kommt. Bis dahin ist Wassertreten angesagt.

Mit Edgar Ramirez und Michael Pitt ist der Film ganz gut besetzt, das Problem sind jedoch die vollkommen tranigen Dialoge und die holprig konstruierten Szenen, die dann noch durch das völlige Fehlen von Chemie bei den Hauptdarstellern endgültig torpediert werden.

Über weite Strecken wirkt THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME so, als hätte ein bemühter Anfänger einen Fanfilm aus der Graphic Novel gemacht, aber dabei keinerlei Gespür für die Materie gehabt. Schöne Bilder müssen es dann schon tun, zweieinhalb Stunden halten sie den Zuschauer aber nicht bei Laune. Was Netflix sich hier angelacht hat, ist einfach ein elendig langweiliger Film, dessen Geschichte nicht nur nicht Fahrt aufnimmt, sondern das SF-Element so weit zurückdrängt, dass einfach nur ein x-beliebiger Gaunerfilm draus geworden ist.

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