Mrz 042020
 

Zu Beginn der 1990er Jahre bekamen Marvel und DC mit anderen Superhelden-Universen Konkurrenz. Eines davon war das Valiant-Universum, das vom ehemaligen Marvel-Editor-in-Chief Jim Shooter erfolgreich geführt wurde und über eine Vielzahl interessanter Serien verfügte. Nachdem Marvel und DC im Kino durchgestartet sind, soll dies nun auch mit Valiant gelingen. Sony hat sich die Rechte an mehreren Stoffen gesichert und träumt bereits vom shared universe. Den triumphalen Anfang soll dabei BLOODSHOT machen. Das Problem: Mit einem Film wie diesem gewinnt man echt keinen Blumentopf.

Es gab verschiedene BLOODSHOT-Inkarnationen in den Comics der letzten drei Jahrzehnte, der Film bezieht sich auf den Valiant-Reboot und variiert die dort präsentierte Geschichte, macht das aber auf deutlich konventionellere Art und Weise.

Vin Diesel ist Ray Garrison, ein Soldat, der bei einem Einsatz starb und nun als Bloodshot, einem Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, von der RST Corporation wieder zum Leben erweckt wird. Mit jeder Menge injizierter Nanotechnologie ist er unaufhaltsam – stärker als je zuvor und in der Lage, sich bei Verletzungen sofort selbst zu heilen. Aber mit der Kontrolle seines Körpers herrscht die Corporation auch über sein Gehirn und seine Gedanken. Ray weiß nicht, was Realität ist und was nicht – aber er begibt sich auf eine Mission, es herauszufinden.

Das ist ein bisschen ROBOCOP, ein bisschen Jason Bourne, ein bisschen TERMINATOR, was den Look betrifft, vor allem aber ist die Geschichte Stückwerk. Die war zwar als Comic auch nicht brillant, war aber deutlich besser aufgezogen und profitierte später von auf Charakterstudien spezialisierte Autoren wie Jeff Lemire. Dem Film fehlt das, der muss mit einem Skript von Jeff Wadlow (FANTASY ISLAND) und Eric Heisserer (LIGHTS OUT) vorliebnehmen. Was sie präsentieren, ist der Stoff, aus dem die generischen Actionfilme sind. Solche, die ohne jedwedes Gespür für Originalität und ohne jede Vision seitens der Autoren oder des Regisseurs entstehen. Im letzten Jahr war der SF-Actioner GEMINI MAN mit Will Smith ein solcher Film, jetzt ist es eben BLOODSHOT.

Dabei erlaubt sich der Film einen Twist, der den nach Schema F gestalteten Anfang zumindest ironisch auflädt, aber dann macht der Film rein gar nichts daraus. Als Guy Pearce erklärt, eine Simulation sei einfach nur ein zusammengeklautes Potpourri unterschiedlicher Filme, da kann man das auch als Kommentar auf diesen Film verstehen. Denn nichts anderes ist BLOODSHOT, der in keiner Sekunde auch nur halbwegs originell wäre – weder inhaltlich, noch von der Umsetzung.

Stattdessen kämpft der Held am Ende gegen einen Schurken, der an Doctor Octopus aus SPIDER-MAN 2 erinnert. Dazwischen gibt es auch reichlich andere Action, die aber nie besonders kreativ aussieht, von halbgaren CGI-Bildern geplagt ist und in manchen Einstellungen TERMINATOR-Erinnerungen hochkommen lässt, die aber weniger cool, als vielmehr peinlich sind.

Hinzu kommt, dass man sich nicht traut, Bloodshot auch wie Bloodshot aussehen zu lassen. Die Figur ist eigentlich leichenblass und hat rote Augen. Aber wenn man schon Vin Diesel hat, dann möchte man ihn auch sehen – so zumindest die Studio-Denke. Also gibt es am Ende eine etwa zehnsekündige Sequenz, in der Bloodshot auch so aussehen darf, wie es sein sollte. Ansonsten turnt Diesel halt in seinen ganz normalen Klamotten durch diese Szenerie des Mittelmaßes.

BLOODSHOT ist nicht die Art Film, auf dem sich ein shared universe aufbauen lässt. Eher schon ist er der Grabstein, mit dem man es beerdigt.

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