Feb 232020
 

Für Katrin Gal ist der Übergang von einem Medium zum anderen fließend. „Ehrlich gesagt, finde ich es schwer, zwischen beidem eine klare Linie zu ziehen. Zum einen, weil sich für mich persönlich die Planung eines Comics sehr mit der Vorproduktionsphase eines Animationsfilmes ähnelt, daher ist wohl beides unbewusst in meinem Stil bzw. Erzählweise verschmolzen. Natürlich wird man von der Ästhetik der anderen „bewegten“ Medien im Übermaß beeinflusst, so dass sie sich vielleicht auch völlig unbewusst in den eigenen Stil mit einschleichen.“

Die Eigenständigkeit des Mediums ist ihr dabei schon bewusst, insbesondere auch die Erzählsprache, die als Mittler zwischen Film und Comic schon immer etwas Besonderes war: „Solche Hybride können recht innovativ und modern wirken, es ist, als ob man einen Film aus sich nicht bewegenden Bildern zeigt.“

Seit ihrer Kindheit zeichnet Gal bereits – der Comic ist für sie dabei das perfekte Medium, eine Geschichte zu erzählen, da die eigene Phantasie visualisiert werden kann. Natürlich gibt es bei der Produktion eines Comics Tätigkeiten, die sie mehr als andere schätzt. Das Schreiben der Geschichte ist dabei der schleichende Prozess. Während sie an einem Band zeichnet, macht sie sich Notizen zur Fortführung und entwickelt das nächste Kapitel langsam. Die zeichnerische Umsetzung ist zeitlich klarer definiert. Gal braucht etwa vier bis sechs Monate, um einen Band abzuschließen – je nachdem, welche anderen Projekte sie beschäftigen und was das echte Leben so bereithält.

Am meisten liebt sie die Seiten zu gestalten: „Das Vorsketchen und dabei vor allem die Komposition des Layouts, das ist der Schritt, in dem ich das Paneling plane und das Storyboard in die Panels einsetze. Ebenso Lineart/Inken, da tauche ich völlig konzentriert ab und vergesse alles um mich herum und genieße einfach den Zeichenprozess und die Linienführung!“

In den nächsten Jahren wird Gal noch mit Radius beschäftigt sein, aber es gibt jetzt schon Ideen, die Geschichte darüber hinaus mit Spin-offs und dergleichen auszubauen. „Aktuell kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn Radius mal abgeschlossen ist. Momentan ist es mein Lebenswerk und selbst wenn die Hauptstory mit 4 Bänden dann offiziell abgeschlossen ist, habe ich noch so viele Spin-Offs, Sequels und Prequels aus dem Radius-Universum geplant, die ich noch alle irgendwie gern verarbeiten möchte und somit Radius für mich persönlich wohl niemals abgeschlossen sein wird.“

Ein Comic wie dieser ist – durch Umfang und Präsentation – aber natürlich auch immer die Möglichkeit, die Fühler anderweitig auszustrecken. Wohin der Weg sie aber letztlich führen wird, weiß sie heute noch nicht. Das Talent, um mit den eigenen Werken auch in Länder vorzustoßen, in denen Comics deutlich erfolgreicher sind als hierzulande, ist vorhanden, einem festen Plan folgt die Künstlerin aber nicht: „Es bahnen sich auch neue Comic Projekte an, daher lass ich jetzt noch offen, wo ich nach Abschluss der Serie sein werde. An eine konkrete Marktfestlegung habe ich auch noch nicht gedacht, da ich sowohl von amerikanischen als auch von französischen Comics beeinflusst bin und wer weiß wie es sich auch noch in Deutschland entwickeln wird.“

Noch eine Weile steht aber erstmal Radius ganz in ihrem Fokus. Die Reaktion auf den Comic, als er noch im Web und in kleiner Auflage von ihr selbst veröffentlicht wurde, war gut. Mit dem Neustart bei Splitter hatte ein größeres Publikum die Gelegenheit, in diese Space Opera einzutauchen. Im Februar ist nun der zweite Band erschienen.

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