Nov 022019
 

Eine der besten neuen Serien des Jahres ist zweifelsohne das heiß erwartete DAYBREAK, eine der ungewöhnlichsten Comic-Verfilmungen aller Zeiten, die man so beschreiben könnte: Diese Serie kommt raus, wenn MAD MAX und ZOMBIELAND sich paaren und das Produkt dieser Liebe dann von TANK GIRL und FERRIS MACHT BLAU sowie PARKER LEWIS großgezogen wird.


Dies ist eine wilde Endzeit-Coming-of-Age-Geschichte mit zombieähnlichen Monstern, den Ghoulies, die der letzte Überrest der Erwachsenenwelt sind. Denn die Bomben haben vor allem die Erwachsenen vaporisiert – oder zu Ghoulies gemacht. Die Jugendlichen haben allesamt überlebt. Wie bei THE TRIBE, nur schräger.

Josh Wheeler hat die Apokalypse überlebt, für sich Regeln aufgestellt und sucht unentwegt die Liebe seines Lebens: Sam Dean. Dabei trifft er auf die Pyromanin und Soziopathin Angelica, die zwar erst zehn Jahre alt, aber echt bad ass ist, und auf den Samurai Wesley Fists, der einst zu den Sportskanonen gehörte, aber nun den Weg der Ehre beschreitet.
Die Jugendlichen haben sich in Gangs zusammengerottet. Die Sportskanonen unter dem Hockeymaske tragenden Turbo oder etwa die Cheermazonen. Josh, Wesley und Angelica gründen so etwas wie ihren eigenen Stamm, aber die Probleme fangen gerade erst an – und Vertrauen wird enttäuscht.

In den ersten beiden Folgen ist Josh der Erzähler und spricht auch des Öfteren direkt zum Zuschauer, in der dritten ist es dann Angelica. Die weiteren Folgen haben nicht zwangsläufig einen Erzähler, konzentrieren sich aber jeweils auf eine Figur.

Die Besetzung ist cool, und das nicht nur, weil man Matthew Broderick für die Rolle des Schuldirektors geholt hat. Er ist zu dem geworden, was man wohl als Ferris Buellers großen Albtraum bezeichnen könnte. Die Figur ist interessant – und über die ganze Staffel hinweg dabei. Josh Wheeler wird von Colin Ford gespielt, der in SUPERNATURAL mehrmals den jungen Sam Winchester darstellte. Für Sam holte man die Britin Sophie Simnett, die in der Disney-Familien-Serie THE LODGE dabei war. Weiterhin spielen mit: Alyvia Alyn Lind (FUTURE MAN) als Angelica, Krysta Rodriguez (SMASH) als Ms. Crumble und Austin Crute (BOOKSMART) als Wesley Fists.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Comic von Brian Ralph. Er ist ein Illustrator für „Wired“ und die „New York Post“ und hat einige Graphic Novels geschrieben und gezeichnet. Die dritte war DAYBREAK und erschien erstmals ab 2006 in drei Volumes und wurde 2011 von dem US-Verleger Drawn & Quarterly in einer Graphic Novel gesammelt. Das Besondere daran: Er erzählt die Geschichte aus dem Point of View von Josh Wheeler, was Kritiker dazu brachte, den Comic mit einem First-Person-Shooter-Game zu vergleichen. Aber er ist mehr als das, weil er emotional sehr viel tiefer nachwirkt.

Das kann die Serie auch, obwohl schon Veränderungen vonnöten waren. Den Zuschauer in die Perspektive der Hauptfigur zu drängen, hätte wohl nicht funktioniert – Filme wie HARDCORE sind da ein guter Beleg dafür.
Stattdessen ist das Ganze ausgesprochen wild erzählt und inszeniert. Die Serie spielt mit der Form, sowohl, was den Vorspann jeder Folge betrifft, der mal an alte Samurai-Filme, aber auch an Sitcoms angelegt ist, als auch mit der Erzählung an sich, die mit skurrilen Momenten nicht geizt (Stichwort: mutierter Mops), aber auch die Vermengung typisch soapigen Teen-Dramas mit brachialer Endzeit-Action ist faszinierend und führt zu eben so dramatischen wie emotional wirkungsvollen Szenen.

Die erste Staffel besteht aus zehn Folgen, die den Begriff Coolness neu definieren. Bleibt nur zu hoffen, dass Netflix schnellstmöglich die zweite Staffel produziert.

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