Mai 182018
 

Jiro Taniguchi hat sich mit DER HIMMEL IST BLAU, DIE ERDE IST WEISS eines erfolgreichen japanischen Romans angenommen, den er auf geniale Art und Weise als Manga umgesetzt hat. Mit mehr als 400 Seiten Umfang hatte er auch den Raum, um die zarte Liebesgeschichte zwischen einer Frau in den End-Dreißigern und ihrem älteren Japanisch-Lehrer von einst zu erzählen.

Es ist eine zurückhaltende, eine stimmige Geschichte, die aus Sicht der Frau erzählt wird und tief in ihre Gedankenwelt führt. Eine einsame Frau, die keine Freunde, sondern Routine hat, und den Sensei, wie sie ihn nennt, zufällig in ihrer Stammkneipe trifft. Alles beginnt damit, dass man zusammensitzt, etwas isst und trinkt. Dazwischen gibt es eine immense Höflichkeit, ein Gefühl von Nähe, aber auch eine Distanz. Über Jahre hinweg treffen sie sich – mal zufällig, mal gewollt, mal fast zu so etwas wie einem Date. Wie sie sich näherkommen, erzählt dieser graphische Roman.

Die neue Carlsen-Ausgabe im Hardcover und etwas größerem Format ist sehr schön geworden. Haptisch ansprechend, optisch prächtig, und nicht nur mit dem Comic an sich, sondern auch noch mit einem Gespräch zwischen Taniguchi und dem Autor der Vorlage garniert. Ein wunderschöner Comic, der zeigt, wozu das Medium fähig ist. Erwachsene Geschichten auf eine Weise zu erzählen, die vielschichtig und tiefsinnig, leichtherzig und eindringlich ist.

Übrigens ist der Comic in westlicher Leserichtung. Das mag Manga-Puristen verärgern, macht es aber leichter, dieses außergewöhnliche Werk Interessierten nahzubringen, die ansonsten von „rechts nach links“ abgeschreckt werden.

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