Aug 032017
 

„Nein, Joker. Du spielst das falsche Spiel. Das alte. Heute nimmst du keine Geiseln. Und ich keine Gefangenen.“ Ein Zitat des Batman aus einer der Schlüsselszenen aus THE DARK KNIGHT RETURNS (DIE RÜCKKEHR DES DUNKLEN RITTERS). Es macht deutlich, dass dies ein anderer Batman ist. Hier trifft man nicht mehr auf den jungen Batman, der – zumindest bis zu einem gewissen Grad – nach den Regeln spielt. Dieser Batman ist ein anderer: härter, zynischer, realistischer.

In einer Welt, in der Götter auf Erden wandeln, ist er der ultimative Soldat, der tut, was getan werden muss, um das Geschwür „Verbrechen“ aus Gothams modrigen Leib herauszuschneiden. Dabei macht sich der in die Jahre gekommene Batman keine Freunde. Wie zu Beginn seiner Karriere ist er ein Vigilant, von den Medien verteufelt, von der Polizei gejagt und schließlich – am Ende seines Weges – im Augenmerk des Stählernen, der sich längst selbst verkauft hat und als Lakai eines von Altersdemenz gezeichneten Präsidenten versucht, Leben zu retten.

Als diese vierteilige Miniserie 1986 in den USA debütierte, war sie etwas ganz Besonderes. Zusammen mit Alan Moores WATCHMEN revolutionierte THE DARK KNIGHT RETURNS ein ganzes Medium. Der Einfluss dieses Comics war in den folgenden Jahren überall spürbar. Der „Grim’n’Gritty“-Trend mit seinen mörderischen Anti-Helden hielt Einzug, doch nichts davon, absolut gar nichts, konnte auch nur halbwegs die Klasse von Frank Millers bedeutsamsten Werk erreichen.

Millers Erzählung funktioniert, weil sie konsequent weiterdenkt, wie eine Welt der Superhelden aussehen und wie die maskierten Vigilanten von der Öffentlichkeit und den Behörden betrachtet werden würden. Dass der Comic jedoch ein Produkt seiner Zeit und die düstere Atmosphäre des Kalten Krieges in jedem Moment spürbar ist, lässt sich nicht verleugnen, stört jedoch auch nicht. Aus der zeitlichen Distanz ergeben sich in manchen Fällen wie dem von Altpräsident Ronnie „Rambo“ Reagan amüsante Momente, die auch aufzeigen, welche Wirkung dieser Mann auf einen Künstler wie Frank Miller hatte bzw. wie der Autor den Initiator des „Star Wars“-Programms eingeschätzt hat.

THE DARK KNIGHT RETURNS ist ein Meilenstein der Comic-Geschichte, der auf 200 aufregenden Seiten das letzte große Abenteuer des Batmans zeigt. Dabei dürfen weder seine Helfer – ein neuer, weiblicher Robin ist mit von der Partie – noch seine Gegner fehlen, wobei hier ein für allemal ein Schlussstrich gezogen wird.

In den vergangenen gut 30 Jahren wurde THE DARK KNIGHT RETURNS zu einem Klassiker, dessen Größe und Bedeutung für das Medium so erdrückend ist, dass es wie Wahnsinn anmutet, diesem Werk eine Fortsetzung folgen zu lassen. Frank Miller stellet sich dieser Herausforderung trotzdem. Doch sein THE DARK KNIGHT STRIKES AGAIN konnte nicht dieselbe Wirkung wie der Erstling entfalten. Der Blitz, so heißt es, schlägt schließlich niemals zweimal an derselben Stelle ein. Einer Fortsetzung hätte es auch nicht bedurft, aber diese schmälert weder die Bedeutsamkeit noch den puren Unterhaltungswert, den das Original besitzt. Und über das neueste Sequel breitet man am besten den Mantel des Schweigens aus.

 

Auch wenn man nur rudimentäre Kenntnisse des DC-Universums hat und weiß, wofür die Figuren im Groben stehen, entfaltet sich hier doch ein Epos von bis dato ungekannter Größe, das mit einem der denkwürdigsten und grandiosesten Panels im Finale aufwartet. Ein Finale, das den Kampf zeigt, auf den man eigentlich ein Leben lang gewartet hat: Batman gegen Superman – der dunkle Ritter gegen den Mann von Morgen. Und es ist ein Kampf der Titanen, der unerwartet endet. Batman obsiegt und hämmert mit niederschmetternden Schlägen auf den Stählernen ein. Und dann spricht Bruce zu seinem alten Freund Clark: „I want you to remember, Clark… in all the years to come… in your most private moments… I want you to remember my hand at your throat… I want you to remember the one man who beat you…“

Und dann stirbt Batman. An einem Herzinfarkt. Oder zumindest soll man das glauben, denn der Mitternachtsdetektiv muss tot sein und dennoch leben, um ein korruptes Amerika von innen heraus erneuern zu können. THE DARK KNIGHT RETURNS hat viele herausragende Momente, die sich ins Gedächtnis brennen. In Deutschland ist der Comic erstmals von Carlsen erschienen, später hat Panini Comics ihn in verschiedenenen Editionen publiziert, darunter ein dickes Hardcover, das auch das Sequel umfasst. Selbiges gilt auch für die USA, wo es mit der ABSOLUTE-Edition einen dicken Prachband mit Original und Sequel gibt. Nun hat Panini eine Neuauflage publiziert, bei der die Übersetzung noch einmal überarbeitet wurde. Zudem gibt es auch Bonusmateiral.

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