Feb 062017
 

Er hat nicht nur das Wort, sondern auch die Form erfunden: Will Eisner versuchte Ende der 1970er für seine Graphic Novel „Ein Vertrag mit Gott“ einen Buchverlag zu finden, aber der Erfinder des Spirits war seiner Zeit weit voraus. Was er in seiner Geschichtensammlung erzählt, stand in der literarischen Tradition eines John Steinbeck. Eisner erzählt in vier Kurzgeschichten von den Bewohnern eines Mietshauses in der fiktiven Dropsie Avenue in der New Yorker Bronx.

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Er verarbeitete den eigenen Schmerz über den Verlust der an Leukämie erkrankten Tochter, aber auch die Beobachtungen, die er selbst in einer ähnlichen Nachbarschaft in seiner Jugend gemacht hatte. Es sind menschliche, zutiefst berührende, extrem vielschichtige Geschichten mit Figuren, die aus dem Leben gegriffen sind.

Fünf Jahre nach dieser Publikation legte er 1983 mit „Lebenskraft“ eine weitere Geschichtensammlung vor, die stärker ineinander übergeht, während sie von den verschiedenen Bewohnern des Hauses erzählt. Den Abschluss seiner Trilogie bildet das 1995 erschienene Buch „Dropsie Avenue“, in dem er die Geschichte dieser Straße im Verlauf von mehr als 100 Jahren nachzeichnet. Es ist das ambitionierteste der drei Werke, weil es den Leser stärker fordert. Die Lücken in der Erzählung muss man selbst schließen, wenn Zeitsprünge stattfinden, aber bekannte, wenn auch älter gewordene Figuren wieder auftreten.

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Dabei beschreibt Eisner den Wandel eines Viertels, den Aufstieg und Fall, die Wiederbelebung und die ersten Risse in der Fassade, die ein Jahrhundert später wieder auftreten. Es ist eine faszinierende Geschichte, die mehr über den Menschen aussagt, als uns eigentlich lieb sein kann. Über Lagerbildung, über Ausgrenzung, über rassistische Vorurteile, aber all das ohne den Schimmer der Hoffnung, dass es besser werden könnte, sondern in der Überzeugung, dass sich alles nur im Kreis dreht.

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„Ein Vertrag mit Gott“ versammelt die drei Graphic Novels in einem gut 500 Seiten starken Buch, das zum Besten gehört, was das Medium Comic je hervorgebracht hat – geschrieben und gezeichnet von einem Altmeister, von dem man auch heute noch viel lernen kann. Über das Schreiben und das Erzählen, aber auch über das Leben selbst.

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