Mai 192015
 

Vor mehr als einem Viertel Jahrhundert erschien Art Spiegelmans erster Teil von „Maus“. Anlässlich dieses Ereignisses gibt es ein neues Buch, das so tief in die Maus-Materie eindringt, wie niemals zuvor. „Metamaus“ besteht hauptsächlich aus einem gigantischen Interview, das die Englisch-Professorin Hilary Chute, die an der Universität von Chicago lehrt, geführt hat. Sie ist eine Kennerin des mit dem Pulitzer-Preises ausgezeichneten Werks und mit Comics versiert. Das merkt man den intelligenten Fragen an.

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Viel wurde schon über „Maus“ geschrieben und gesagt, darunter auch von Spiegelman selbst, aber niemals zuvor ließ er so sehr in seine Gedankenwelt blicken wie hier. Er erweist sich dabei als begnadeter Erzähler, der auch Interview-Antworten spannend gestalten kann. Dabei geht er nicht nur darauf ein, wie er mit seinem Vater über die Zeit des Holocausts sprach, sondern auch, wie er mehr als 20 Jahre brauchte, um aus dem Schatten des unerwarteten Erfolgs von „Maus“ hervorzutreten.

Auch das ist ein Grund, warum er dieses Buch machen musste. Denn seit mehr als 25 Jahren stellt man ihm dieselben Fragen: Warum Comics? Warum Mäuse? Warum der Holocaust? In „Metamaus“ gibt Spiegelman erschöpfend Auskunft. Vielleicht das letzte Mal, denn nun ist alles gesagt und bei den ewig gleichen Fragen kann er einfach auf „Metamaus“ verweisen.

Hier gibt er erschöpfend Auskunft, warum Mäuse und Katzen für Juden und Nazis, warum Schweine für Polen und warum andere Tiere für andere Nationalitäten stehen. Er folgt dabei einer klaren, in sich stimmigen Logik, die nicht nur im Kontext der realen Schmähungen im Dritten Reich funktioniert, sondern auch ihre Wurzeln in den klassischen Animal-Funnies des Mediums Comic hat.

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Das Buch ist nicht frei von Füllermaterial, auch wenn dieses überschaubar ist. Gut 20 Seiten sind Interviews mit Spiegelmans Frau und Kindern, die zwar nett zu lesen, aber auch wenig erhellend sind.

Ein Kleinod stellt hingegen „Wladeks Transkript“ dar, in dem man nachlesen kann, wie Arts Vater ihm seine Lebensgeschichte erzählt hat. Das ist so bewegend und emotional aufwühlend, wie es „Maus“ selbst auch ist. Dem Buch ist zudem eine DVD beigelegt, die interessantes, weiterführendes Multimedia-Material enthalten. So kann man sich die Audiodateien mit Wladeks Erzählung auch anhören, Spiegelmans Notizbücher, tausende von Skizzen und Entwürfen, verschiedene Essays und nicht zuletzt eine Auswahl der besten Ablehnungsschreiben ansehen. Denn „Maus“ wurde von so ziemlich jedem namhaften Verlag abgelehnt.

„Metamaus“ ist kritisch und aufschlussreich zugleich, ein intensiver Blick auf die Erschaffung und eine Analyse der Bedeutung eines großen Werks, das heute vielleicht wichtiger ist denn je.

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