Mai 182015
 

Es ist immer schön, wenn mit etablierten und hinlänglich bekannten Figuren experimentiert wird. Oder: Wenn man sie in einen Story-Kontext setzt, der normalerweise der nicht ihnen angestammte ist. So wie bei VICTORIAN UNDEAD: SHERLOCK HOLMES VS. ZOMBIES, eine sechsteilige Miniserie von Ian Edginton und Davide Fabbri.

Es ist das Jahr 1898: Im Untergrund Londons erheben sich die Toten, was natürlich die Neugier von Sherlock Holmes weckt. Als dieser mit Watson der Sache auf dem Grund geht, müssen beide von Mycroft vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Von ihm erfahren sie, dass schon einmal knapp 50 Jahre zuvor die Untoten über London herfielen, aber der Angriff damals zurückgeschlagen und vertuscht werden konnte. Diesmal geht das nicht, denn eine Armee der Untoten erhebt sich, die von einem Mann befehligt wird, der 1891 den Tod in der Schweiz fand.

In der Theorie klingt es nach grausamen Trash: Sherlock Holmes vs. Zombies. In der Praxis ist es eine erstaunlich stimmige Umsetzung, die bekannte Elemente der Geschichten um den Meisterdetektiv aufgreift und diese mit gängigen Zombie-Epen verbindet. Neuheitswert hat dies, weil man eine Zombie-Geschichte zu lesen bekommt, in der die Untoten nicht im Vordergrund stehen, sondern in der es die deduktiven Fähigkeiten von Holmes sind, die die Geschichte vorantreiben. Autor Ian Edington erweist sich als Holmes-Kenner, der den Sprachduktus des Detektivs, aber auch seines Freundes Watson sehr gut nachzuahmen versteht. Dabei erweist Edginton nicht nur Arthur Conan Doyle seine Reverenz, sondern auch den Zombie-Werken eines George A. Romero, wenn er eine in seinen frühen Filmen genannte mögliche Ursache für die Wiedergänger herausgreift und diese gleich noch geschickt mit Holmes‘ Erzfeind Moriarty verwebt.

Die Zeichnungen von Davide Fabbri sind ausgesprochen schön. Sie haben klassisches Flair, das zu Holmes hervorragend passt. Das Ende der Geschichte ist gleichsam das Ende einer Ära: „Ein neues Jahrhundert winkt, und mit ihm eine neue Stadt voller Leben, welches die Leere füllt, die jene hinterließen, die umgekommen sind, und denen sie gehörte. Chaos erzwingt Veränderung, Watson, ob es uns gefällt oder nicht.“  Es gefällt – und wenn wir Holmes in dieser Inkarnation wiedersehen, wird wohl ein neues Jahrhundert für ihn angebrochen sein.

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