Mrz 052015
 

Die Zeit der großen Superhelden war vorbei. Darum musste man sich bei Marvel nach anderen Möglichkeiten umsehen, um nach dem Ende des Goldenen Zeitalters auch weiterhin im Geschäft zu bleiben. In den 50er Jahren schuf man mit „Marvel Boy“ nur einen neuen Superhelden, dessen Abenteuer jedoch mehr als nur kurzlebig waren. Ähnlich erging es zahlreichen anderen Titeln, die, so sie vom Publikum nicht angenommen wurden, sofort von neuen Serien ersetzt wurden.

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Zeitweise veröffentlichte Marvel in den 50er Jahren mehr als 80 monatliche Titel, bei denen genrespezifisch praktisch alles dabei war, was nur irgendwie Leser finden konnte. Eines der beliebtesten Genres des Jahrzehnts war der Kriegscomic. Bemerkenswert war in diesen Abenteuern, die in der Regel zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs spielten, nicht selten jedoch Einflüsse des gerade stattfindenden Korea-Kriegs aufnahmen, dass nun keine Superhelden, sondern echte Menschen im Mittelpunkt standen.

Auch ohne die Superhelden ging es Marvel gut, was umso mehr galt, da Martin Goodman, der Herausgeber, auf die Idee gekommen war, die Autoren und Zeichner nicht länger fest unter Vertrag zu geben. Vielmehr sorgte er dafür, dass die Top-Talente jener Zeit freischaffend für ihn tätig waren. Hinzu kam, dass Goodman mit seinem Großhandel brach und selbst einen aufzog, der ihm helfen sollte, seine Gewinne noch zu maximieren.

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In jener Zeit vollzog sich einmal mehr ein Namenswandel bei Marvel. Goodman favorisierte den neuen Verlagsnamen Atlas, der nunmehr auch auf den Comics prangte. Neben den erfolgreichen Kriegscomics sahen die 50er Jahre ein erhöhtes Interesse an Science Fiction, weswegen man bei Marvel den Versuch startete, die alten Superhelden zurückzubringen.

Stan Lee versuchte einen Relaunch von „Captain America“, „Submariner“ und „Human Torch“, aber die Leser jener Zeit interessierten sich einfach nicht für die Helden, weswegen dieser Versuch bald wieder zu den Akten gelegt wurde. Die 50er brachten jedoch noch ein weit größeres Problem als nur ein Desinteresse an den Superhelden mit sich: Frederic Wertham.

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Der New Yorker Psychiater, der speziell Kinder und Jugendliche behandelte, war auf die Comics nicht gut zu sprechen. In ihnen sah er den Auslöser für das Fehlverhalten mancher Jugendlicher und eine Bedrohung für die Kinder der Nation. Sein Buch „Seduction of the Innocent“ tat ein Übriges, um eine gewisse Panik unter den Eltern zu schüren, wobei vor allem die Horror- und Crime-Comics unter den Attacken zu leiden hatten. Das Ergebnis war die Schaffung der Comics Code Authority, einer Art Freiwilligen Selbstkontrolle der Comic-Industrie, die künftig darauf achten sollte, dass allzu Anstößiges nicht mehr in den Comics geschehen sollte.

Das führte wiederum dazu, dass die Geschichten zahmer wurden und von Horror keine Spur mehr da war, aber Marvel hatte schließlich noch andere Pfründe, die man abgrasen konnte. Zum Ende des Jahrzehnts hin wurde jedoch alles schlimmer, sodass Atlas so gut wie vor dem Aus stand. Lediglich Stan Lee hielt noch die Fahne hoch – und schließlich gelang es ihm, ein paar phantastische Titel wie „Tales to Astonish“ oder „Strange Tales“ zu lancieren, in denen unterhaltsame Geschichten mit Monstern wie Fin Fang Foom erzählt wurden.

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Ausgerechnet das neu erstarkte Programm der Konkurrenz von DC gab Stan Lee jedoch den Anstoß, es mit etwas zu versuchen, das im Comic-Bereich durchaus neu war. DC hatte das Superheldenthema mit neuen Versionen von „Flash“ und „Green Lantern“ wiederbelebt und publizierte nach wie vor die Serien einiger altgedienter Charaktere wie „Superman“ und „Batman“.

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