Feb 172015
 

Vampirella ist eine Comic-Figur, die noch immer danach schreit, adäquat verfilmt zu werden. Dieser wurde unlängst von CMV neu auf DVD veröffentlicht.

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Die große Zeit ihrer Comic-Abenteuer ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, aber auch heute noch gibt es neue Comics mit der Vampirlady vom Planeten Drakulon. Versuche, sie auf die Leinwand zu bringen, gab es schon in den späten 70er Jahren.

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Hammer kaufte die Rechte an der Comic-Figur Vampirella, einer der Erfolgsserien des Warren Verlages. Darin geht es um eine außerirdische Frau, die auf die Erde kommt und feststellt, dass unser Wasser für sie ungenießbar ist – unser Blut jedoch mundet exzellent. Das Drehbuch wurde von Christopher Wicking, John Starr und Lew Davidson geschrieben, die Hauptrolle sollte von dem Playboy-Playmate Barbara Leigh gespielt werden. Peter Cushing sollte den Zauberer Pendragon spielen. Ebenfalls für die Rolle in Betracht gezogen wurde Gene Kelley. Für die Regie hatte man John Hough auserkoren. Mehr als vier Jahre hatte man versucht, den Film zu realisieren, doch am Ende gab es Streitigkeiten um die Besitzrechte und Hammer schien einfach das Geld auszugehen. Das Projekt kam leider nicht zustande.

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1996 gab es dann endlich VAMPIRELLA auf Zelluloid, allerdings günstig umgesetzt. Aufgrund ihrer offensichtlichen Vorzüge machte man sich keine Sorgen, eine gewisse – wohl vornehmlich männliche – Zuschauerschicht anzusprechen.

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Auf dem Planeten Drakulon lebt die Vampirgemeinde in einem friedvollen Utopia, bis der von Roger Daltrey dargestellte Vlad sich auf das Töten besinnt und nach dem Mord an Vampirellas Stiefvater den Planeten verlässt und mit seinen wenigen Getreuen zur Erde reist. Natürlich kann Vampirella, der das ehemalige Bond-Girl Talisa Soto ihr schönes Gesicht leiht, den Schurken nicht ungestraft von dannen ziehen lassen. Sie selbst begibt sich zur Erde, kommt aber aufgrund technischer Schwierigkeiten erst 3.000 Jahre später an. Vlad hat sich inzwischen zum stärksten Vampir aufgeschwungen und führt Krieg gegen die Menschheit, die er ein für alle Mal vernichten will. Ihm entgegen stellen sich nur Adam van Helsing und seine Säuberungstruppen, die gegen den Vampirismus ins Feld ziehen.

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Vorweg muss man sagen, dass VAMPIRELLA kein Film geworden ist, der Anhängern des Comics gefallen wird. Dafür gibt es einfach zu viele Ungereimtheiten und Unterschiede, die den Kennern von Forest J. Ackermans Schöpfung sofort auffallen werden. Schon allein Vampirellas neues Kostüm ist ein Sakrileg, da es einfach lächerlich aussieht (okay, Vampis Comic-Kostüm sieht auch lächerlich aus, zeigt dafür aber auch sehr viel mehr Fleisch…). Der Grund für dieses neue Kostüm ist vor allem in der Hauptdarstellerin zu suchen, die das Originalkostüm nicht auszufüllen vermochte, wodurch es bei den Dreharbeiten durchaus zu peinlichen Zwischenfällen hätte kommen können. Um dies bei der für das amerikanische Kabelfernsehen entstandenen Produktion von vornherein auszuschließen, entwarf man einfach ein neues Design.

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Aus welchem Stoff VAMPIRELLA gemacht ist, zeigt auch das aus Schnellfilmer Jim Wynorski und B-König Roger Corman bestehende Duo, welches für die Verwirklichung dieses Abenteuers verantwortlich zeichnet. Wie es sich bei einer Wynorski/Corman-Produktion gehört, wird vor allem darauf Wert gelegt, möglichst billig einen Film fertig stellen zu können. Dies geht auf Kosten der praktisch nicht vorhandenen Effekte, deren spärlicher Einsatz aber schon so stümperhaft ist, dass man beinahe froh ist, nicht mehr davon sehen zu müssen.

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Die Darsteller selbst haben auch relativ schnell erkannt, in was für einem Film sie eigentlich mitspielen, weswegen man als Zuschauer in den Genuss kommt zu sehen, wie Roger Daltrey hemmungslos übertreibt und Talisa Soto ihre Rolle so ernst nimmt, als wäre es Shakespeare. Nun könnte man natürlich von diesem Vampir-Film abraten, aber so einfach ist es nicht, denn VAMPIRELLA kann als Trash-Film wirklich überzeugen. Nicht nur verfügt der Film über eine Menge unfreiwilliger Humor, der sich nicht zuletzt in den klischeehaften Lack- und Lederklamotten seiner Protagonisten ausdrückt, sondern kann auch ansonsten mit einer Menge toller Lacher aufwarten. Erwähnt werden sollen hier nur die Kondom-Anzüge, die die Vampire vor dem Sonnenlicht schützen. Nicht minder cool ist aber auch die Sonnenstrahlkanone, die in etwa so futuristisch und glaubwürdig erscheint wie das Bügeleisen an Bord des deutschen Raumschiffs Orion.

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So gesehen ist VAMPIRELLA ein Juwel des Trash-Films, das sich selbst ein bisschen zu ernst nimmt und dabei genau die richtige Portion Blödsinn präsentiert, um den Zuschauer für 80 spaßige Minuten in eine im wahrsten Sinne des Wortes kunterbunte Comic-Welt zu entführen. Nur auf eine richtige VAMPIRELLA-Verfilmung wartet man noch immer …

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