Dez 202014
 

20 Jahre ist es her, dass „Marvels“ erschien – Kurt Busiek und Alex Ross schufen damit ein Werk von zeitloser Schönheit. In dieser Serie erzählte Busiek einige der wichtigsten Stationen der Marvel Comics, die sich in den 60er Jahren zugetragen hatten, nach, benutzte hierfür aber einen menschlichen Blickwinkel. Das Geschehen wurde nicht aus der Sicht eines Helden, sondern aus der eines normalen Menschen, dem Fotoreporter Phil Seldon, erzählt, wobei Busiek aufzeigte, wie eine Welt wohl aussehen würde, in der die „Marvels“ – jene wunderbaren Helden – tatsächlich existieren. Zusammen mit Ross’ gemalten Bildern wurde so ein Comic geschaffen, der jenen „Sense of Wonder“, dieses Gefühl der Magie, heraufbeschwörte, den man als Leser erlebt, wenn man bereit ist, einen Sprung in den Glauben zu unternehmen und es als Fakt versteht, dass Menschen fliegen können und unglaubliche Kräfte ihr eigen nennen.

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In diesem Meisterwerk erlebt man mit, wie die erste menschliche Fackel geboren wird, wie die Rächer die Szene betreten, der Submariner den Menschen den Krieg erklärt und Galactus kommt, um den Planeten zu verzehren, nur um von seinem eigenem Herold, dem Silver Surfer, davon abgehalten zu werden. All dies geschah aus einem Blickwinkel, der es dem Leser wie niemals zuvor erlaubte, sich mit dieser Welt zu identifizieren.

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Das Ende von „Marvels“ kam mit dem Ende der Unschuld in den Comics. Phil Seldons letzter Fotobericht handelt von Gwen Stacy, die vom Grünen Kobold getötet wurde und selbst von Spider-Man nicht gerettet werden konnte. Mit dem Tod von Gwen Stacy endete in den USA auch das Silberne Zeitalter der Comics. Die Unschuld, die bisher vorgeherrscht hatte, war verloren. Was kommen sollte, war ein dunkles Zeitalter, mit dem Alex Ross nichts zu tun haben wollte. Nach dem Erfolg von „Marvels“ dachte man bei Marvel natürlich darüber nach, eine Fortsetzung folgen zu lassen, aber Ross war daran nicht interessiert.

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Die 70er Jahren hielten für ihn nichts bereit, das ihn zu faszinieren vermochte. Dies war ein Jahrzehnt der Anti-Helden vom Schlag eines Punisher oder Wolverine, die nicht zögerten, ihre Gegner zu töten, um so ihrem eigenen Gerechtigkeitssinn zum Sieg zu verhelfen. Aufgrund einiger Querellen kam es letztlich nie zu einer Fortsetzung von „Marvels“ – inoffiziell brachte man zwar die Miniserie „Code of Honor“, aber sie hielt keinen Vergleich stand – weswegen die Miniserie heute auch unangetastet als Klassiker besteht und darüber hinaus für Alex Ross und Kurt Busiek zum Sprungbrett einer erfolgreichen Karriere wurde.

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