Apr 222014
 

Die Frage, die Superhelden-Comics eigentlich immer aussparen, ist: Wie würden solche Kräfte Menschen in einer realen Situation verändern? Im Kontext typischer Superhelden-Geschichten wird diese Frage nie gestellt. Weil die Welt der Superhelden, wie Marvel und DC sie kultiviert haben, gar nicht so gestaltet ist, dass ein Anflug von Realität aufkommen soll. So bleibt die Frage bestehen: Wie würde ein normaler Mensch sich verändern, wenn er von heute auf morgen nicht mehr Teil der Gesellschaft wäre, sondern über ihr stünde?

John Arcudi geht dieser Frage in der von Peter Snejbjerg gezeichneten Graphic Novel A GOD SOMEWHERE nach. Er erzählt von den Brüdern Eric und Hugh, die sich entfremden. Von Eric und seinem besten Freund Sam. Und von einem Unfall, der Eric Superkräfte verleiht. Was folgt, ist eine detaillierte Betrachtung dessen, wie sich Eric verändert – ebenso wie sich die Welt angesichts dieser neuen Situation verändert.

Arcudi erzählt angenehm komplex. Er wechselt die zeitliche Ebene, gibt so tieferen Einblick in die Figuren. Das größte Kunststück, das Arcudi gelingt, ist aber nicht einmal die Untersuchung dessen, dass Brüder sich eher entfremden als es Freunde tun, sondern dass er die Entwicklung der Hauptfigur konsequent bis zum Ende durchdenkt. Eric durchläuft mehrere Stadien seiner Entwicklung. Nicht jede mag einem als Leser glaubwürdig erscheinen, da man sich insgeheim versichert, man selbst würde gänzlich anders handeln, wäre man in seiner Situation. Aber das ist das Großartige an A GOD SOMEWHERE: Die Möglichkeit besteht, dass man es Eric gleichtun würde! Arcudi zieht den Leser gnadenlos in die Geschichte. Er ist sich sicher genug, keine definitive Antwort zu geben. Vielmehr lässt er Erics Motivation betreffend Spielraum, in dem der Leser sich selbst entfalten kann. So schonungslos A GOD SOMEWHERE auch ist, so menschlich ist die Geschichte.

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