Mrz 182014
 

Bei Dark Horse hat man endlich wieder einen neuen One-Shot zu BEASTS OF BURDEN von Evan Dorkin und Jill Thompson veröffentlicht. Grund genug, sich das wunderschöne Hardcover BEASTS OR BURDEN: ANIMAL RITES, das auf gut 180 Seiten die ersten vier Kurzgeschichten und die Miniserie enthält, genauer anzusehen.

Die Geschichten spielen im kleinen Örtchen Burden Hill. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Hunden: Rex, Ace, Pugs, Jack und Whitey. Ergänzt wird die Gruppe durch den Kater Orphan. In ihrem ersten Abenteuer, dem Achtseiter „Stray“, klagt Jack über eine gespenstische Erscheinung rund um seine Hundehütte. Man ruft einen alten weisen Hund, eine Art Shamane, zu Hilfe, der tatsächlich einen Weg findet, dem Geist Frieden zu bringen und so auch die Heimsuchung der Hundehütte zu beenden. Diese Geschichte war von Dorkin und Thompson nicht so konzipiert, dass es zwangsläufig weitere Abenteuer geben musste, aber in drei weiteren Anthologien wurden die Ereignisse fortgesetzt und ausgebaut.

In „The Unfamiliar“ trifft die Hundebande auf Hexen und ihre Katzenbegleiter, denen man einen Strich durch die Rechnung macht. In „Let Sleeping Dogs Lie“ will Nymphna, die einzig überlebende Katze der Hexen, Rache und erweckt Zombie-Hunde zum untoten Leben. Die letzte Geschichte ist schließlich „A Dog and His Boy“, in der Husky Ace auf einen menschlichen jungen Mann trifft, der die Sprache der Tiere spricht. Das kann er, weil er ein Werwolf ist, was nicht nur Ace in Gefahr bringt.

Diese Geschichte ist die umfangreichste der ersten vier. Der namenlose Junge und der Husky freunden sich an. Sie haben beide eine schlimme Vergangenheit hinter sich, aber erleben eine großartige Gegenwart – bis zu dem Tag, da sich der Junge in einen Werwolf verwandelt. In einer der schönsten Szenen der Geschichte stellt sich Ace dem Werwolf und fordert, dass er den Jungen in Frieden lässt. Der Werwolf verletzt ihn, verschont ihn, warnt den Hund aber zugleich, ihm nicht zu folgen. Evan Dorkin bringt auf den Punkt, was einen Hund wirklich auszeichnet, als die Freunde des Huskys versuchen, ihn davon abzuhalten, dem Werwolf zu folgen: „They knew it was hopeless to try and stop Ace. After all, dogs are nothing if not loyal.“

Dem schließt sich die vierteilige Miniserie an, die jedoch in sich abgeschlossene Geschichten enthält: „The Gathering Storm“, „Lost“, „Something Whiskered This Way Comes“ und „Grave Happenings“. Es sind für sich stehende Geschichten, die aber schon subtil aufeinander aufbauen. In der ersten ändert sich der Status Quo für die Hundebande. Nachdem sie einen Monsterfrosch besiegt haben, nimmt der alte weise Hund sie in die Wise Dogs Society auf, als Anfänger und Wachhunde, die den Distrikt, in dem sie leben, vor den bösen Mächten beschützen sollen. Eine besondere Ehre wird Orphan zuteil, ist er doch der erste Wachkater in den Reihen der Wise Dogs Society.

Alle in diesem Band enthaltenen Geschichten sind schön zu lesen. Die besten sind jedoch die, die Dorkin emotionaler gestaltet hat. Es sind Geschichten von Verlust. Und Dorkin ist meisterhafter Erzähler genug, um sie so zu gestalten, dass sie direkt auf das Herz des Lesers abzielen. Wie bei „Lost“, in dem eine Hundemutter ihre verschwundenen Welpen sucht. Die Hundebande hilft, aber ein Happyend gibt es nicht, wohl aber Gerechtigkeit. Menschen tauchen in den Geschichten kaum auf. Sie sind Nebenfiguren. Wenn sie auftauchen, sind sie zumeist negativ gestaltet. Die Werwolfsjäger, die Ace zurücklassen, die Hexen, der Junge, der Tiere aus Spaß tötet. Die einzig guten Menschen in diesen Geschichten sind die Besitzer der Hunde – zumindest hat es den Anschein, treten sie doch nicht weiter in Erscheinung.

Ich vermute, dass Dorkin selbst einen Hund hat – Jill Thompson hat eine Katze -, denn er hat es exzellent verstanden, seinen paranormalen Detektiven die typischen Manierismen von Hunden zu geben. Die Tiere erscheinen immer wie Tiere, auch wenn sie reden. Geschichten mit sprechenden Tieren (wobei sie nur untereinander sprechen, Menschen verstehen sie nicht) können leicht ins Kitschige abgleiten, die Gefahr besteht bei BEASTS OF BURDEN jedoch nie. Dies sind Gruselgeschichten mit phantastischen Ideen,  intim und groß zugleich, denn mit jeder einzelnen Erzählung webt Dorkin ein größeres Garn. So endet der Band auch mit der Erkenntnis, dass die Hunde zwar gegen eine übernatürliche Bedrohung gewonnen haben, dies aber nur der erste Kampf in einem aufziehenden Krieg war.

So großartig BEASTS OF BURDEN auch geschrieben ist, ist dies doch nur die halbe Miete. Die Zeichnungen müssen auch stimmen. Und sie sind prächtig. Jill Thompson hat eine Bande sehr unterschiedlicher Hunde entwickelt und schafft es, die inhärente Tollpatschigkeit, die Teil von Hunden und Katzen ist, in ihren Zeichnungen zu erfassen. Bewegungsmomente wirken wie Schnappschüsse, stilisiert und glaubwürdig zugleich. Hinzu kommt die Kolorierung mit Wasserfarben, was der sehr stimmungsvollen Atmosphäre zuträglich ist.

BEASTS OF BURDEN ist schöne Grusel-Unterhaltung mit hoher emotionaler Wirkweise. Der perfekte Comic für jeden, der Hunde oder Katzen – oder beide – liebt: süß, gruselig, lustig, bewegend und dabei so elegant gestaltet, als dass man gar nicht anders kann, als sich vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn die eigenen Tiere solche Abenteuer erleben würden.

  One Response to “Hundegeschichten: BEASTS OF BURDEN”

  1. Habe den Comic gelesen und fand ihn echt toll.

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