Feb 162014
 

Schon im letzten Jahr erschien bei Jacoby & Stuart die sehr schöne Gesamtausgabe von SCHNEEKREUZER, die die drei Alben in einem Band vereinigt. Kurz vor Kinostart der Verfilmung SNOWPIERCER lohnt es besonders, diese dystopische Erzählung genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Die erste Geschichte „Der Entflohene“ stammt aus dem Jahr 1983. Nach dem Tod des Autors Jacques Lob legte Zeichner Jean-Marc Rochette zusammen mit dem Autor Benjamin Legrand die Fortsetzungen „Der Landvermesser“ und „Die Überquerung nach. Diese erschienen 1999 und 2000. Zeichnerisch sind sie ganz anders, weit ausgefeilter, wodurch auch die Entwicklung des Künstlers spürbar wird.

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In der ersten Geschichte wird erzählt, wie Proloff vom Arschende des Zugs in Richtung Lokomotive kommt, erst als Gefangener, später als freier Mann. Die Geschichte atmet den Geist der 70er Jahre, die von einer Science Fiction geprägt waren, die an ein Utopia nicht mehr glaubte, sondern eine Welt porträtierte, die immer hässlicher wird. Lob spricht den Klassenkampf an und rückt ihn in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Der Schneekreuzer ist der Mikrokosmos unserer Welt, in der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

007_schneekreuzer_srvb„Der Landvermesser“ und „Die Überquerung“ ergänzen einander. Hier geht es um Landvermesser Puig, der steile Karriere macht und ein Ratsherr des Eisbrechers wird. Aber er hat es mit religiösen Fanatikern und verrückten Militärs zu tun, die keinerlei Veränderung dulden, selbst wenn sie den Tod bedeuten würde. Diese Geschichten spielen nicht auf dem Schneekreuzer von „Der Entflohene“, aber jener Zug hat auch hier Bedeutung. Er ist ein Symbol für die allgegenwärtige Angst, da die Menschen des Eisbrechers fürchten, eines Tages mit ihm zu kollidieren. Aber die Geschichte ist deutlich nihilistischer in ihrer Aussage. Einerseits, weil das Schicksal des Schneekreuzers ein hässliches ist, andererseits, weil eine große Hoffnung auf ein besseres Leben zum Ende der Geschichte aufgebaut wird, nur um dann ein Finale zu finden, wie man es heutzutage nur noch selten sieht. Konsequent, bitter, frei von jeder Hoffnung.

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