Jun 122013
 

Der Künstler Al Williamson ist ein angesehener Zeichner, der sowohl für die großen Verlage als auch für die einträgliche Welt der Zeitungsstrips gearbeitet hat. In beiden Bereichen hat sich der große, alte Mann des Comics einen Namen gemacht.

Seine Karriere begann er zu Anfang der 50er Jahre, womit er nun auf mehr als ein halbes Jahrhundert an Geschichten, die er illustriert hat, zurückblicken kann. In den letzten Jahren wurde Williamson nur noch selten aktiv, doch seine Werke wurden Anfang der 90er durch den Dark Horse Verlag einem gänzlich neuen Publikum vorgestellt. Das Hauptaugenmerk des Verlags lag dabei auf einen Titel, der die Phantasie der Leser und Zuschauer nach wie vor beflügelt: Star Wars.

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Im Juni 1992 – Dark Horse hatte gerade mit einer Handvoll Comics zur Sternensaga große Erfolge gefeiert – präsentierte man die Serie Classic Stars Wars (erschien in deutscher Fassung bei Feest Comics). In ihr fanden sich auf insgesamt 20 Heften Reprints sämtlicher Zeitungsstrips, die Al Williamson zusammen mit Archie Goodwin von 1981 bis 1984 entwickelt hatte. Das Besondere dabei ist jedoch, dass dies nicht einfach nur ein stinknormaler Nachdruck in schwarzweiß ist, sondern die Seiten neu arrangiert wurden, um dem Comic-Stil gerecht zu werden. Des Weiteren beseitigte man redundantes Material, das die Geschichte „übererklären“ würde, wie es bei Zeitungsstrips in der Regel der Fall ist. Dazu fertigte Williamson Cover für diese Hefte an und schuf sogar einige Seiten gänzlich neu, wobei ihm Allen Nunis zur Hand ging. Zum Abschluss wurden die Hefte koloriert, womit Williamsons hervorragende Zeichnungen tatsächlich in eine neue Zeit transportiert wurden. Die Ähnlichkeiten mit den Zeitungsstrips der 80er Jahren waren ganz klar noch vorhanden, doch dieser Comic ist nun auch etwas Eigenständiges, das ganz und gar für sich alleine bestehen kann.

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Das erste Mal hörte Williamson 1974 oder 1975 – in einem Interview erklärte der Künstler, sich nicht mehr ganz sicher zu sein – von Ed Summer, dass der Regisseur von AMERICAN GRAFFITI an einem großen Science-Fiction-Film arbeitet. Summer wollte wissen, ob Williamson daran interessiert wäre, die Comic-Adaption davon zu machen. Zu jener Zeit war Williamson jedoch gerade stark mit Ben Bolt und Secret Agent X-9 beschäftigt, sodass er keine Zeit für diesen Auftrag fand und ihn schlichtweg ablehnen musste. Summer wandte sich schließlich an Roy Thomas, der die Comic-Adaption für Marvel in die Wege leitete und schrieb.

Williamson hätte diese jedoch als Zeitungsstrip verwirklichen sollen. Ein Unterfangen, wegen dem man ihn 1978 noch einmal ansprach. Damals erfuhr er, dass George Lucas seine Arbeit sehr mochte und sich wünschte, er würde den Strip machen. Zu jener Zeit erhielt Williamson auch einen Anruf von Archie Goodwin, der von Lucasfilm wegen des Zeichners angesprochen worden war. Williamson erklärte Goodwin, sollte er wieder mit Lucasfilm in Kontakt treten, dass man ihn doch bitte direkt ansprechen möge. Das geschah zu Weihnachten jenes Jahres, als Charlie Lippincott Williamson anrief und man sich wegen des Zeitungsstrips unterhielt.

Geplant war damals, dass der Strip mit einer Adaption des Films starten sollte. Williamson bereitete hierfür auch drei Seiten vor, die schließlich fertiggestellt wurden, aber da der Künstler noch einen Vertrag mit King Features hatte und an eine andere Serie gebunden war, fand er nicht die Zeit, auch noch Star Wars zu übernehmen. Schweren Herzens musste Williamson das Angebot ablehnen.

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Williamson arbeitete weiter an Secret Agent X-9, war damit jedoch unzufrieden, da es mit der Bezahlung stark haperte. Im Sommer des Jahres 1979 sollte sich Williamsons Situation ändern. Archie Goodwin, einer seiner besten Freunde und Partner, rief an und erklärte ihm, dass ihnen beiden angeboten war, die Comic-Adaption der Fortsetzung DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK zu machen. Von Seiten von Lucasfilm hatte man explizit nach Williamson gefragt, da George Lucas mit der Arbeit, die bei Marvel abgeliefert wurde, nicht besonders zufrieden war. Ihm missfiel der Superheldenstil, der alle Figuren viel zu unrealistisch wirken ließ. Dahingegen war Williamson für Star Wars geradezu perfekt, hatte er doch schon mit Flash Gordon bewiesen, dass er Science Fiction bestens handhaben, großes Abenteuer präsentieren, dabei jedoch realistisch bleiben konnte – nicht zu vergessen waren dabei auch noch die wundervollen Hintergründe und Settings, die Williamson für seine Comics entwarf.

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Als ihm das Angebot unterbreitet wurde, dachte Williamson schon ernsthaft daran, bei Secret Agent X-9 auszusteigen, weil die finanzielle Situation einfach untragbar geworden war. Bei der neuen Vertragsverhandlung im Herbst dieses Jahres versuchte er, ein besseres Honorar herauszuschlagen, hatte dabei jedoch keinen Erfolg. Darum entschied er sich dafür, zusammen mit Archie Goodwin Das Imperium schlägt zurück zu machen.

Für die etwa 100 Seiten, die für die Adaption eingeplant waren, hatte Williamson drei Monate Zeit. Viel zu wenig, als dass er alles hätte alleine bewerkstelligen können. Darum rief er seinen Freund Carlos Garzon an, der sich bereiterklärte, Hintergründe und Raumschiffe für die Hefte zu zeichnen. Rick Veitch wurde für das Lettering verpflichtet, zeichnete dann jedoch auch die imperialen AT-AT-Walker, mit denen die geheime Basis der Rebellen auf dem Eisplaneten Hoth angegriffen wird. In Vorbereitung auf das Zeichnen der Comics hatte Williamson Produktionsskizzen von Lucasfilm erhalten, doch ausgerechnet die Skizzen der Walker waren äußerst roh und nur schwer zu erkennen. Veitch war es schließlich, dem es gelang, das Design aufzuschlüsseln und es perfekt in den Comic zu übertragen.

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Nachdem Goodwin und Williamson die Adaption des Films fertiggestellt hatten, ging es für beide fast nahtlos weiter in Sachen Star Wars. Russ Manning, der bisher den Zeitungsstrip betreut hatte, musste sich auf Grund gesundheitlicher Probleme davon zurückziehen. Als sein Nachfolger wurde Williamson auserkoren, dessen Zeichnungen in Flash Gordon-Tradition genau das Richtige für einen Titel wie diesen waren. Da er jedoch noch einige Zeit brauchte, da er für eine Adaption des neuen Flash Gordon-Films verpflichtet worden war, überbrückte Goodwin diese mit einer Handvoll anderen Geschichten, die mit anderen Künstlern verwirklicht wurden. 1981 war es dann jedoch endlich soweit. Der Zeitungsstrip unter Leitung von Goodwin und Williamson hatte seine Premiere – und er war großartig. Mit Goodwin und Williamson hatten sich zwei Männer gefunden, die Star Wars verstanden und es trotz der vielen Restriktionen durch Lucasfilm adäquat in einem anderen Medium umsetzen konnten.

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Abseits des Zeitungsstrips wurde Williamson auch noch für die Star Wars-Serie von Marvel tätig, auch wenn er hier nur einzelne Arbeiten ablieferte. Für die Jubiläumsnummer 50 sollte auch Williamson eine Story zeichnen. Zustande kam dies im Grunde nur, weil er etwa ein Jahr zuvor für das sehr schnell wieder eingegangene Pizzazz von Marvel bereits drei Seiten eines Star Wars-Comics gezeichnet hatte. In Pizzazz erschienen jeweils drei Seiten einer Star Wars-Fortsetzungsgeschichte, doch das war offensichtlich zu wenig, um dieses Heft zu retten.

Die Geschichte fand schließlich in der 50. Ausgabe der monatlichen Serie Platz, doch da Williamson auch gleichzeitig an seinem Flash Gordon arbeiten musste, holte er sich Hilfe von Al McWilliams. Da die Zeit immer mehr drängte und Williamson buchstäblich in Arbeit erstickte, schickte er schließlich das vorhandene Material an Marvel, wo Tom Palmer, Walt Simonson und Tom Yeates die Geschichte beendeten.

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Später zeichnete Williamson noch die Geschichte The Vandelhelm Mission nach einem Skript von Archie Goodwin. Auch dieses Heft wurde von Dark Horse Jahre später im Zug der populären Classic Star Wars, die nicht nur Williamsons Zeitungsstrips, sondern auch die von Russ Manning und Alfredo Alcala nachdruckten, in neuer Kolorierung aufgelegt.

In den letzten 20 Jahren hat es zahlreiche Comics zu Star Wars gegeben, die mit den unterschiedlichsten Ansätzen an den Stoff herangegangen sind. Dabei konnte man Abenteuer der altbekannten Helden ebenso wie Geschichten mit Nebenfiguren oder völlig neu ersonnenen Rebellen und Imperialen lesen, doch nichts davon kommt auch nur annähernd an die Klasse des Materials heran, das Archie Goodwin und Al Williamson gemeinsam erschaffen haben. Die Geschichten der beiden atmen den Geist von Star Wars, sind die perfekte Übertragung eines Stoffs von einem zum anderen Medium. Da die Arbeiten der beiden mittlerweile in englischer wie auch in deutscher Fassung komplett vorliegen, werden sie auch nicht dem Vergessen anheimfallen, wie es oftmals das Schicksal von Zeitungsstrips ist. Mit der schön gemachten Neuauflage dieser Star Wars-Comics kann man immer wieder und zu jeder Zeit in eine Galaxie weit, weit entfernt eintauchen und die Kunstfertigkeit von Archie Goodwin und Al Williamson genießen.

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