Mai 192013
 

„Deine Mutter liebt dich nicht.“ – Eine Erkenntnis, die in dem Jungen schwelt, die sein Psychiater jedoch auf den Punkt bringt. Ein Schlag ins Gesicht, mehr noch als der Krebs, der ihm fast die Stimme raubte. Wäre STICHE die Geschichte seiner Mutter, die Geschichte einer Frau, die lesbisch, aber in einer normalen Ehe unglücklich ist, empfände man vielleicht mehr Sympathie für sie. Doch es ist die Geschichte von David Small, einem Jungen, der von seinem Vater als Kleinkind unglaublich oft geröntgt wurde, weil man in den 50er Jahren glaubte, das wäre gut gegen Asthma. War es nicht. Es brachte nur den Krebs mit sich.

STICHE ist die autobiographische Geschichte des Illustrators David Small. Er zeichnet das Bild eines Familienlebens, in dem nichts stimmt. In diesem Haus lebt man nach dem Motto, dass über Probleme nicht gesprochen wird. Man schweigt und hält die Fassade aufrecht.

Die Hölle, das sind die anderen. Nirgendwo ist das wahrhaftiger als im Hause Small. Momente echter Anteilnahme, echter Liebe, blitzen nur selten auf. Dann, wenn die Mutter glaubt, ihr Sohn würde die Nacht nicht überstehen. Als er es doch tut, steht die Barriere wieder und Gefühlskälte macht sich breit.

STICHE ist eine bittere Erzählung, das Leben eines Kindes und Jugendlichen aus der Retrospektive eines erwachsenen Mannes. Es heißt, mit voranschreitender Zeit werden Erinnerungen schöner. Selbst schlechte Erlebnisse eines Menschen erscheinen nach Jahrzehnten angenehmer als sie waren. Doch nicht bei Small. Ihn hat seine Jugend geprägt, belastet, verletzt. Stiche ist der Versuch, die Gefühle seiner Jugend zu exorzieren, seinem Schmerz Gestalt zu geben und ihn zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Das ist nicht immer angenehm – weder für ihn, noch für den Leser –, aber eine emotionale Reise, die nachhallt. STICHE ist der große Einblick in eine kleine Welt.

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