Mai 032013
 

Von Thorgal, dem Sohn der Sterne, gab es mit „Thorgal – Der Fluch des Odin“ sogar mal ein Action-Adventure-Game in Third-Person-Perspektive. Zu dem Zeitpunkt war die Comic-Serie schon einer der ganz großen Klassiker des Mediums. Im Jahr 1980 debütierte die von Jean van Hamme geschriebene und von Grzegorz Rosinski gezeichnete Serie mit dem Album „Die Rache der Zauberin“.

In Deutschland dauerte es bis 1987, als der Carlsen Verlag mit der Publikation begann. Seit 2011 besitzt der Splitter Verlag die Rechte an der Reihe und veröffentlicht sie als bibliophile Hardcover neu. Begonnen wurde mit dem ersten Band, zeitgleich zäumt man das Pferd aber auch von hinten auf und bringt die neuesten Abenteuer und die verschiedenen Spin-offs in deutscher Erstveröffentlichung.

Thorgal ist unter den Wikingern aufgewachsen, aber er ist keiner der ihren. Als Baby wurde er am Strand gefunden – in einem seltsamen Floß. Einer der Wikinger nahm ihn an Sohnesstatt an, aber seinen Platz in der Gemeinschaft hat er nie gefunden. Thorgal liebt den Frieden, nicht wie seine Brüder den Kampf. Aber er kann kämpfen, wenn es denn notwendig ist.

Aufgrund seiner Liebe zu Aaricia will ihn deren Vater Gandalf töten, versagt dabei jedoch. Zwar willigt er später in die Heirat der beiden ein, aber Thorgal und Aaricia beschließen, das Dorf der Wikinger zu verlassen.

Aus dem All kam er

Schon im zweiten Band erfährt Thorgal, wer er wirklich ist. Er ist der letzte Sohn der Sterne. Sein Volk lebte einst auf Erden, aber als sein Reich unterging, zog es hinaus ins All. Einige von ihnen kehrten zur Erde zurück, verstarben dort jedoch an einer seltsamen Krankheit. Von den mentalen Kräften, die sie haben, hat Thorgal nichts geerbt, aber in seiner Blutlinie werden sie weitergegeben.

Wo das dritte Album „Die Greise von Aran“ für sich steht, aber mit dem schurkischen Volsung von Nichor und der Wächterin der Schlüssel Figuren einführt, die Thorgal noch öfters begegnen werden, bilden die Bände 4 bis 6 den Zyklus „Der Kampf gegen Shardar den Mächtigen“, in dem Thorgal glaubt, seine Frau für immer verloren zu haben. Er ist ein Schatten seiner selbst, bis er die Möglichkeit erhält, das Leben von Aaricia zu retten.

Frühe Jahre und einsame Inseln

Im siebten Band, „Sohn der Sterne“, wird mit drei Kurzgeschichten der Hintergrund von Thorgal besser erleuchtet. In einer dieser Geschichten hilft er als kleiner Junge einem Zwerg, der eine fast unmögliche Aufgabe erfüllen muss, wenn sein Volk nicht der Sklaverei anheimfallen soll. Sehr schön illustriert diese Geschichte, dass „Thorgal“ eine faszinierende Genre-Mixtur ist. Hatte man zuvor schon allerhand Science-Fiction-Elemente, so funktioniert die Zwergen-Geschichte als waschechte Fantasy und bietet jede Menge märchenhafter Kreaturen.

Dass es auch anders geht, zeigt der achte Band „Die Macht der Träume“, in der Thorgals Familie auf einer einsamen Insel lebt. Als Thorgal aufbricht, um Vorräte zu holen, zeigt sich die immense Macht seines jungen Sohns Tolan, der sie mit dem grünhaarigen Jungen Alinoe einen imaginären Spielgefährten erschafft, der schon bald seinem eigenen Willen folgt und für Aaricia und ihr Kind zu einer ernsten Gefahr wird. Van Hamme und Rosinski spielen hier mit Elementen des Horror-Genres, die es so in der Reihe zuvor noch nicht gegeben hat.

Die Welten von Thorgal

Neben der Hauptserie gibt es mit „Die Welten von Thorgal“ auch zwei Spin-offs. Der eine, „Kriss de Valnor“, besteht aus sieben Bänden, von denen zwei bislang erschienen sind, und ist einer Kriegerin vorbehalten, die die Erzfeindin von Aaricia ist, der andere befasst sich in vier Bänden mit „Lupine“, Thorgals Tochter. Aber das sind Geschichten, denen wir uns ein anderes Mal widmen wollen.

Der Reiz von „Thorgal“ ist, dass die Serie sich in extrem unterschiedliche Richtungen bewegen kann. Was als Action-Abenteuer mit Wikingern beginnt, nimmt immer phantastischere Züge an, da es sowohl Besucher von anderen Sternen als auch Magier und sogar Begegnungen mit dem leibhaftigen Tod gibt. Autor van Hamme schöpft hier aus dem Vollen, wobei es ihm gelingt, die wilde Genre-Mixtur zu einer homogenen Erzählung zu machen. Jedes neue Abenteuer hat aber immer auch das Element der Überraschung, da man nie so genau weiß, welche Genre-Einflüsse diesmal spürbar sein werden.

Schön ist, dass die Figuren älter werden. Wo in diesem Medium oftmals der Status Quo beibehalten wird und nie jemand altert, gibt es in „Thorgal“ Entwicklung, die sich auch im Nachwuchs der Hauptfigur äußert, sind die Kinder doch nicht in der Zeit eingefroren, sondern werden älter und (langsam) auch erwachsen. Das wird auch dadurch befeuert, da im Schnitt ein Album pro Jahr erschienen ist, so dass der Alterungsprozess der Figuren sehr natürlich daherkommt.

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