Mai 022013
 

Heutzutage hat es sich bei den deutschen Ausgaben amerikanischer Comics eingebürgert, dass die Namen der Helden und Schurken im Original belassen werden. Als die Superhelden in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, war dies anders, und bis weit hinein in die 80er Jahre blieb man dieser Tradition treu. Erst mit dem Superhelden-Boom, der durch Dino Mitte der 90er Jahre ausgelöst wurde und den Panini danach mit dem Marvel-Programm befeuerte, änderte sich dies und man blieb beim Original-Namen. Das ist verständlich, aber irgendwo auch schade, gab es doch eine ganze Reihe sehr gelungener Namen. Neben einem Wust an grauenhaften Eindeutschungen natürlich.

Dass Spider-Man über Jahrzehnte hinweg die Spinne war, ist das wohl populärste Beispiel. In vielen Fällen nutzte man im Deutschen auch einfach nur 1:1-Übersetzungen wie die Fantastischen Vier (The Fantastic Four) oder die Rächer (The Avengers). Highlights deutscher Namensschöpfung gibt es viele. Ich persönlich mochte immer, dass aus dem Spider-Man-Gegner Hobgoblin der Gnom geworden ist. Schlichtweg genial ist der Rote Blitz, der sehr viel dynamischer und aufregender klingt als der Flash. Ich habe auch immer der Dämon bevorzugt. Es klingt einfach spannender als Daredevil. Der X-Men-Gegner Juggernaut hieß bei Condor noch der Moloch, was vielleicht wenig passend war, aber unglaublich geheimnisvoll klang. Bei den alten Hit-Comics des BSV-Verlags gab es auch vereinzelte Ausgaben mit dem Silver Surfer, der – vergleichsweise lyrisch – zum Silberstürmer umgetauft wurde. Aus Iron Man wurde in Deutschland erfreulicherweise nicht der Eisenmann, sondern der Eiserne. Eine Begrifflichkeit, deren Einsatz in deutschen Heften ich mir auch heute noch gut vorstellen könnte. Auch schön war die Gruppe X für die X-Men (und eine echte Steigerung zu den X-Menschen, wie man sie bei BSV noch nannte).

Zu den Blüten und Auswüchsen deutscher Namensschöpfung gehören hingegen Dr. Unheil, wie man beim Williams-Verlag Dr. Doom nannte, Blitzmann (die BSV-Version für Flash), der Marsianische Menschenjäger (Hethkes Version des Martian Manhunter, eigentlich eine wörtliche Übersetzung, aber einen Tick zu wörtlich, wobei die Doppeldeutigkeit des originalen Manhunter im Deutschen auch nicht eingefangen werden kann), der Halk (jawohl, BSV beließ es bei Hulk, änderte die Schreibweise aber so, dass es phonetisch passte), Wundergirl (Ehapa-Denglisch für Wonder Woman, man wollte wohl lieber ein Mädchen denn eine echte Frau) und der Strolch (eine selten doofe deutsche Variante des Quasi-Marvel-Helden Prowler).

Wahrscheinlich fallen mir gerade noch weitere wirklich schöne deutsche Namen und abgrundtief schlechte teutonische Kreationen nicht ein. Fürs Erste soll das als kleines Beispiel toller und dämlicher Namensschöpfung aber erstmal reichen. Was sind eure Lieblingsnamen?

  One Response to “Man spricht deutsch”

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)