Okt 152012
 

Und wie! Nur einen Tag am Kiosk, war die erste Ausgabe des zum Männermagazin gereiften Lausbubenheft der 70er und 80er vergriffen. Wär hätte es für möglich gehalten, dass ausgerechnet die Flusskrebse von damals solche Menschenmassen hinterm Ofen vorlocken?

„€ 5,90“ steht auf jedem der 120.000 gedruckten Hefte. Bei eBay ist die 30-Euro-Marke längst gebrochen. Die Käufer: 35- bis 50-Jährige, eben die Yps-Leser von damals. Das Yps-Heft selbst ist zwar ans alte Layout angelehnt, aber alles andere als ein billig produziertes Heftle, das nach ein Mal blättern zerfleddert. Ein Hochglanz-100-Seiten-Schinken liegt jetzt in den Wohnungen der Jungebliebenen, die schnell genug am Kiosk waren, alte Comic-Strips wie „Nicht lustig“  füllen das innere des wiederauferstandenen Kultprodukts genauso wie neue Artikel: Da werden zum Beispiel alte Autos mit neuen verglichen, die Atari-Generation bekommt ihre Games von damals in Erinnerung gerufen und sogar eine Witzeseite – heute selbst aus dem provinziellsten Stadtmagazinlein verbannt – gibt es.

Letzten Endes sind aber trotzdem die schepprigen Gimmicks als Heftbeilage das Reizvolle an Yps – heute wie vor 30 Jahren. Spionageausrüstungen, Ums-Eck-Guck-Rohre und sogar Dinge, die überhaupt nicht funktioniert haben – zumindest damals.

Was macht diesen Retro-Hype aus? Wenn man sich den Print-Markt so anguckt, ist ein Trend festzustellen: Magazine wie Landlust, das sich furztrocken mit dem Leben auf dem Land und der heimischen Natur beschäftigt, kennt keine Auflagenkrise und ist bei etwa einer Million verkauften Exemplaren pro Ausgabe.  Gut,  Landlust erscheint nur zweimonatlich, aber einzelne Spiegel-Ausgaben verkaufen sich auch nicht besser. Ebenso seltsam in einer Welt der Apps und Online-Nachrichtenportale funktioniert das junge Lifestyle-Magazin päng!, das sich dem analogen Leben widmet und Basteleien zum ausschneiden oder Anleitungen zum Bau eines Baumhauses enthält. Und genauso scheint das Profane zu sein, was Flusskrebse zum selber züchten eben sind, das den Zauber für das moderne Bürgertum ausmacht. Es gilt einfach: Auf jeden Trend folgt ein Gegentrend.

Wir freuen uns, dass die Sammelleidenschaft offensichtlich ein kleines Revival erfährt. Und bleiben gespannt, wie sich Yps schlägt auf dem heute so ganz anderen Comic-Zeitschriftenmarkt.

Von Sascha Maier

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)