Aug 252011
 

„V“, der revolutionäre Protagonist der Graphic Novel „V wie Vendetta“, ist die erste Comicfigur, die es zur Galleonsfigur und zum Symbol einer realen Bewegung geschafft hat: Anonymous, ein weltweites Hackernetzwerk, das sich im Cyberkrieg mit Sientology befindet und ohne Kopf agiert. Niemand weiß, wie groß es ist – wahrscheinlich nicht einmal die Mitglieder von Anonymous selbst. Ihr Markenzeichen: Vs Maske, die Guy Fawkes, einem britischen Attentäter nachempfunden ist. Schlagzeilen hat jetzt gemacht, dass „V wie Vendetta“-Autor Alan Moore sich mit Anonymous solidarisierte.

Anlass für die Äußerungen Moores ist der Gerichtsprozess gegen das mutmaßliche Anonymous-Mitglied und WikiLeaks-Informant Bradley Manning in den USA. Dieser wird seit Juli 2010 in Haft gehalten. Dabei wurden über seinen Verteidiger David Coombs Vorwürfe der Folter erhoben, der eine schriftliche Anklage des Inhaftierten selbst folgte. Diese wurde nach sechs Monaten abgelehnt. Manning ist in 22 Punkten angeklagt, auch der Kollaboration mit dem Feind. Darauf kann in den Vereinigten Staaten die Todesstrafe stehen.

Alan Moore, der unter anderem auch Für „Watchmen“ und „From Hell“ verantwortlich ist, äußerte sich zu dem Thema wie folgt:

„Angesichts der Tatsache, dass eine legitime Gerichtsverhandlung des Whistleblowers Bradley Manning noch immer an einem unspezifizierten Punkt in der Zukunft liegt, scheint es, als sei das, was momentan vor Gericht steht, die westliche Kultur selbst ist. Mit der Verfolgung einer Person, die etwas Böses aufgedeckt hat, so rücksichtslos betrieben wird, und das Böse selbst absichtlich ignoriert wird, wissen alle von uns, dass etwas mit der Art, wie unsere Gesellschaft sich verhält, nicht stimmt. Und wenn wir nicht entschieden gegen das protestieren, das in unserem Namen getan wird, dann werden wir mitschuldig. Es gibt keine dritte Option. Bradley Manning und andere wie er […] sind unabdingbar für unsere fortdauernde moralische Gesundheit und unser Wohlergehen als Volk und wenn wir ihnen nicht unsere volle Unterstützung in ihrer oft schrecklichen und einsamen Situation anbieten sind wir, die Menschen, es, die als die Verlierer enden werden.

Anonymous vertritt Ideale wie Informationsfreiheit, staatliche Transparenz, und stellt sich  strikt gegen Zensur – besonders gegen die des Internets. Längst richten sich die Hackangriffe nicht mehr nur gegen den Erzfeind Scientology, der aufgrund seiner unterdrückerischen Methoden ins Fadenkreuz der Maskenträger geraten ist. Hackattacken, zu denen sich Anonymous bekannte, galten unter anderem Sony und den Finanzunternehmen Visa, Mastercard und Paypal.

Anonymous-Demonstranten:

 

Früher aussschließlich im Internet aktiv, präsentiert sich Anonymous heute auch maskiert bei Demonstrationen.  Jedoch handelt es sich hier um eher kleine Gruppen von 150 Mitgliedern pro Standort, weltweit werden pro Demo-Event nicht mehr als 8.000 Anonymous-Aktivisten geschätzt. In den weiten des Netzes sieht das schon ganz anders aus: Allein auf facebook tummeln sich unübersehbar viele User mit der V-Maske als Profilbild, wobei es sich hier wahrscheinlich meist um Sympathisanten handelt. Kommuniziert und sich organisiert wird sich auf einschlägigeren Seiten wie 711chan, 420chan, 4chan, Something Awful oder Fark.

Das Bradley-Manning-Unterstützernetzwerk jedenfall begrüßte den Einsatz Moores: Er habe „die Macht von Ideen demonstriert„.

 

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