Jun 212011
 

Vader wird zur WerbeikoneFantastische Figuren – was fasziniert uns an ihnen? Betrachtet man es nüchtern, voller Begeisterung mitzufiebern, wie Gandalf in Fantasiesprache Flüche aus dem Zauberstab beschwört, Obi Wan Kenobi sich durch Roboterhorden schnetzelt oder der Hulk einen Panzer wie einen Hammer durch die Luft schleudert, ist man schnell dabei, sich den Schein ins Irrenhaus selbst auszustellen.

Ja, es ist an und für sich total blöd. Und ja, mittlerweile wirbt man nicht mehr nur mit Sportlern, Schauspielern sondern neuerdings auch mit Darth Vader, dessen Promi-Status mittlerweile die meisten Hollywood-Größen in den Schatten stellen dürfte.
Superhelden geht es da nicht anders: Jemanden zu finden, der Superman nicht kennt, ist mit Sicherheit schwerer als bei den Namen der aktuellen Oscarpreisträger, Nathalie Portman oder Collin Firth.

So wurden aus Fantasiegebilden, die Außenseitern in der Schule das Geld aus der Tasche ziehen sollten, indem sie irreale Fluchträume boten, wo aus Loosern Helden werden, millionenschwere Marken. Längst nicht mehr nur gefeiert vom damaligen Hornbrillenträger, sondern auch vom heutigen (der in der Regel die neueste Mode und den stylischsten Haarschnitt hat). In den Massenmedien belegen das auch der Imagewechsel, wie beispielweise der von Batman:

„Eine TV-Serie und vor allem ein Kinofilm (…) hatten Batman in den sechziger Jahren mit allerlei Firlefanz zu einem Kindergarten-Helden denaturiert. Dieser Film besinnt sich wieder auf die düsteren Aspekte, die dem einsamen Rächer seit seinem ersten Comic-Auftritt im Jahr 1939 anhafteten. So gerät in diesem perfekten Kino-Stück Gotham City zum durchaus furchterregenden Inferno, ist der psychopathische Joker deutlich ein Spiegelbild des vigilanten Helden. Nur die ironische Naivität der Darstellung dämpft den unterschwelligen Zynismus.“
Dieter Krusche, Jürgen Labenski: Reclams Filmführer (10. Auflage, Reclam, Stuttgart 1996, S. 80)

Batman damals......Batman heute

 

In den Top-50 der erfolgreichsten Kinofilme haben wir je nach Hochrechnung zwischen 5 und 7 Superhelden-Verfilmungen stehen, zusammen mit Fantasy, Sci-Fi und deren Crossover-Varianten macht das sogar das Groß der lukrativsten Streifen aller Zeiten aus. Und weitere Comic-Verfilmungen stehen in den Startlöchern, wobei die Filmindustrie sogar Nicht-Genrefans gänzlich unbekannte Figuren wie Hawkman an die Kinokassen ins Rennen schicken soll (unbestätigt). Eine ähnliche Erfolgskurve verzeichnen die Verkäufe von Videospielen mit Superhelden-Hintergrund.

Superhelden im AltenheimEin weiteres Geheimnis, das Superhelden zu so starken Marken macht: Sie sind einfach schon Ewigkeiten im Geschäft; Batman seit 72 Jahren, Superman mischt sogar schon seit etwa 77 Jahren mit und Spidey ist mit immerhin 49 Jahren auch nicht mehr grün hinter den Ohren. Welcher Weltstar könnte auf eine ähnlich lange Karriere zurückblicken – und dabei auch noch alles vor sich haben? Jesus Christus, seit 2011 Jahren als werbefähige Symbolfigur betrachtet, dürfte der einzige sein, der auf eine längere Erfolgskarriere zurückblicken kann.

Gleichzeitig haben Comichelden gewöhnlichen Marken etwas voraus: Sie kommunizieren menschliche Eigenschaften, transportieren mehr Botschaft, als dass es ein Daimler-Stern je könnte. Darum gilt: Auch wenn unsere fiktiven, rumfliegenden, Blitze verschießende, mindestens bärenstarke Helden mit nüchternem Verstand betrachtet irgendwo alberne Fabelwesen bleiben mögen – sie berühren uns auf menschliche Weise und sind doch, ihrer überspitzten Darstellung wegen, zu Ikonen hochstilisierte Wesenheiten; und damit, allen Kritikern zum Trotz, ein äußerst einflussreicher Kulturfaktor.

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